Recht & Wissen · Wissen
Was ist Gewalt?
Vom Konflikt zur Gewalt: Begriffe und Abgrenzungen
Definition von Gewalt
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gewalt wie folgt:
„Gewalt ist der tatsächliche oder angedrohte Gebrauch von physischer oder psychologischer Kraft oder Macht, die gegen die eigene oder eine andere Person, eine Gruppe oder Gemeinschaft gerichtet ist und die tatsächlich oder mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Verletzungen, Tod, psychischen Schäden, Fehlentwicklung oder Deprivation führt.“
Gewalt kann sich demnach auf vielfältige Weise zeigen und beginnt nicht erst mit einem körperlichen Angriff. Nein, Gewalt beinhaltet neben körperlichen Handlungen auch Drohungen, Beleidigungen, Einschüchterung und gezielte Ausgrenzung.
Kurz gesagt versteht man unter Gewalt
- alle Verhaltensweisen, die darauf abzielen, einer Person direkt oder indirekt zu schaden.
- Handlungen, bei denen negative Auswirkungen auf eine andere Person bewusst in Kauf genommen werden.
Gewalt kann sich sowohl gegen andere Menschen als auch gegen die eigene Person, gegen Tiere oder Gegenstände richten und einmalig, aber auch wiederholt und über einen längeren Zeitraum auftreten.
Gewalt gegen Kinder und Jugendliche passiert oft im familiären oder sozialen Umfeld und bleibt deshalb häufig lange unbemerkt. Erkannt wird sie häufig erst, wenn Betroffene sich jemandem anvertrauen, körperliche Verletzungen zufällig entdeckt werden oder eine alarmierende Verhaltensänderung des Betroffenen beobachtet wird. Deshalb ist es besonders wichtig, aufmerksam hinzusehen, Hinweise und Warnzeichen ernst zu nehmen und Unterstützung anzubieten.
Nicht jede Form von Gewalt stellt automatisch eine strafrechtlich relevante Handlung dar. ABER: Jede Gewalterfahrung kann Spuren hinterlassen und für die betroffene Person schwerwiegende körperliche und/oder seelische Folgen haben.
Gewalthandlungen können schwere physische und psychische Auswirkungen haben, die nicht immer unmittelbar sichtbar sind.
Die Wahrnehmung und Bewertung von Gewalt ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von persönlichen und gesellschaftlichen Faktoren sowie von individuellen Erfahrungen und dem eigenen sozialen Umfeld ab. Auch der erlernte bzw. vorgelebte Umgang mit Gewalterfahrungen spielt hier eine große Rolle.
Konflikte erkennen – Gewalt verhindern
Nicht jeder Konflikt ist Gewalt, aber aus jedem Konflikt kann sich Gewalt entwickeln. Konflikte entstehen, wenn unterschiedliche Meinungen, Interessen oder Bedürfnisse aufeinandertreffen. Überall, wo Menschen zusammen leben, arbeiten oder miteinander Zeit verbringen, kann es folglich zu Konflikten kommen – so auch in der Schule.
Werden Konflikte respektvoll und miteinander ausgetragen, bieten sie die Möglichkeit, eigene Grenzen zu erkennen und auszudrücken, unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen und gemeinsam Konfliktlösungen zu finden.
Gewalt hingegen zielt darauf ab, die Kontrolle zu übernehmen, Macht auszuüben oder jemanden bzw. etwas absichtlich zu schädigen.
Während Konflikte also friedlich gelöst werden können, brauchen von Gewalt Betroffene Schutz sowie ein klares und konsequentes Eingreifen.
Ein Konflikt wird miteinander ausgetragen, die Konfliktpartner agieren auf Augenhöhe, verhalten sich fair und sind kompromissbereit. Das gemeinsame Ziel ist eine gerechte Lösung für alle Beteiligten durch Gespräche, Verhandlungen und das Eingehen eines Kompromisses.
Gewalt passiert gegeneinander, der Gegner wird bewusst erniedrigt, unterdrückt und körperlich und/oder seelisch verletzt. Gewaltausübende handeln mit Schädigungsabsicht, nutzen das Machtgefälle aus und wollen die Kontrolle über Personen bzw. Situationen. Dabei üben sie verschiedene Formen von Gewalt aus, wobei physische, psychische oder sexualisierte Gewalt oft kombiniert wird.
Die Grundlage dafür ist eine Null-Toleranz-Haltung gegen Gewalt in der Schule und die Stärkung eines wertschätzenden Miteinanders. In der schulischen Präventivarbeit wird Gewalt nicht akzeptiert, Betroffene werden ernst genommen und alle am Schulleben Beteiligten übernehmen Verantwortung, indem sie ihren Beitrag zu einem toleranten und sicheren Schulklima leisten.
Gewalterfahrungen – erlebte oder beobachtete – können betroffene Kinder und Jugendliche langfristig belasten und das Vertrauen in andere Menschen, in sich selbst und in die eigene Lernfähigkeit beeinträchtigen. Dies kann zum Verlust der Freude am Schulbesuch führen, zu psychosomatischen Reaktionen wie Kopf- oder Bauchschmerzen sowie zu Schulangst.
Umso wichtiger ist eine Schule, in der sich alle sicher und angenommen fühlen.
Durch klare Regeln, unterstützende Ansprechpersonen und respektvollen, achtsamen Umgang kann Gewalt frühzeitig erkannt und thematisiert werden. Konsequentes Handeln hilft, Gewalt vorzubeugen.
Zur schulischen Gewaltprävention gehört die Auseinandersetzung mit allen Formen von Gewalt wie Mobbing und Cybermobbing sowie Diskriminierung, Rassismus, Sexismus und Ausgrenzung. Auch sexualisierte und häusliche Gewalt, selbstverletzendes Verhalten und problematischer Substanzkonsum erfordern Aufmerksamkeit und adäquate Unterstützung.
Für Lehrkräfte kann es hilfreich sein, auffälliges Verhalten im Zusammenhang mit der jeweiligen Lebenssituation eines Kindes zu betrachten. Rückzug, starke Unruhe oder Unterrichtsstörungen können auf Belastungen wie Gewalterfahrungen hinweisen.
Entscheidend ist, aufmerksam zu sein und Veränderungen wahrzunehmen, das Gespräch zu suchen und bei Bedarf geeignete Fachpersonen einzubeziehen.
Woran Sie erkennen, dass ein Kind von Gewalt betroffen sein könnte, lesen Sie auf unserer Seite zu den Warnzeichen.
Zu den Warnzeichen